Halbweise – der Podcast

Themen gibt es wie Sand am Meer – wir picken uns jede Woche welche heraus. Am Ende der Reise wissen wir, wer wir wirklich sind: aufgeschlossene, moderne Freigeister, ewig Junggebliebene oder doch nur grantige alte Männer? Oder vielleicht irgendwas dazwischen? Auf jeden Fall immer: Halbweise!

Schlagwort: gesellschaft

  • Daniel | Gewerkschaften im Allgemeinen, VerDi im Speziellen: Werden die noch gebraucht?

    Ich selbst bin seit 2019 Gewerkschaftsmitglied, war dabei als Betriebe bestreikt und Forderungen gestellt wurden. Während dieser Zeit habe ich sehr viele verschiedene Menschen kennengelernt, ihre Arbeitsplätze besucht und vieles weitere gelernt und gesehen.

    Gewerkschaften sind nicht unumstritten, sowohl von Seiten der Arbeitgeber, aber auch von den Arbeitnehmern und der Gesellschaft selbst. Wenn Gewerkschaften, wie derzeit die ver.di, Betriebe oder gar ganze Konzerne bestreiken bleibt das nicht unbemerkt. (Wichtige) Post kommt nicht an, Eltern stehen vor geschlossenen Kita’s, Pendler kommen nicht zur Arbeit weil kein Zug fährt, Operationen müssen verschoben werden weil Ärzte auf die Straße gehen. Gewerkschaftsmitglieder dürfen sich dann gerne mal Vorwürfe anhören. Man fragt sich was denen einfällt so ein Chaos zu erzeugen.

    Was mich betrifft, denken die Menschen die sich darüber beschweren nicht weit genug, ob sie nun von den Auswirkungen selbst betroffen sind oder nicht. Für sie ist wichtig, dass ihr Alltag funktioniert, dass sie ohne große Einschränkungen ihr Ding machen können. Natürlich haben sie selbst eigene Probleme und Verpflichtungen, allerdings übersieht man dabei schnell mal dass es den Streikenden genauso geht. Das DIE auch von etwas leben müssen, Angst vor Altersarmut haben, ihrer Aufgabe aus verschiedenen Gründen nicht mehr gerecht werden können. Und, das man selbst auch irgendwann einmal in die Lage kommen könnte, für seine Rechte kämpfen zu müssen.

    Und vermutlich wissen diese Menschen auch nicht dass sie selbst schon lange von den vergangenen Forderungen der Gewerkschaften profitieren, wie zum Beispiel von der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Festschreibung der wöchentlichen Arbeitszeit, Mutterschutz usw. Nur sind diese Dinge inzwischen selbstverständlich. Was wäre denn wenn diese wieder genommen werden sollen?

    Um beim Beispiel der Ärzte, des Pflegepersonals, der Hebammen, Kindergärtnerinnen etc pp. zu bleiben, diese Menschen haben sich nicht aus Jux und Tollerei für Soziale Berufe entschieden. Sie wollen Menschen helfen. Wenn aber der Staat Einrichtungen wie Krankenhäuser privatisiert und sie dem Wirtschaftszwang unterwirft, darf man sich nicht wundern, wenn die Menschen irgendwann auf die Straße gehen. Sie werden ausgepresst um ein System am laufen zu halten das, wir kennen den Begriff, systemrelevant ist und für die Menschen da sein sollte. Nicht zur Gewinnmaximierung.

    Streikende Stahlarbeiter vor einem brennenden Herz

    Die Gewerkschaften sind das Bindeglied zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, im besten Fall finden sie gemeinsam mit beiden Parteien ausgewogene, zukunftssichere Lösungen. Dass das nicht immer funktioniert, Menschen aus Gewerkschaften genauso wie aus Parteien, Vereinen usw. usf. austreten weil sie sich nicht ausreichend präsentiert/unterstützt/verstanden fühlen, die Seiten wechseln oder aus allem nur ihren eigenen Vorteil ziehen ist nichts neues. Wir sind Menschen, so sind wir gestrickt, so war und wird es immer sein. Dennoch sind die Gewerkschaften ein wichtiges Instrument um den Menschen gute Arbeits- und Lebensbedingungen zu sichern, um die Gesellschaft in sich zu stabilisieren.

    Gemeinsam sind wir stark ist eine der Parolen die man im Arbeitskampf immer wieder hört. Die einen sagen der Slogan sei abgedroschen, die anderen sehen darin das wahre Wesen der Gewerkschaften. Gemeinsam, über Betriebsgrenzen hinweg, wird für bessere Bedingungen am Arbeitsplatz und gegen Ausbeutung gekämpft. Zu Wahrung von Lebensqualität, zur Schaffung einer lebenswerten Zukunft.

    Immerhin verbringen wir einen nicht geringen Teil des Tages auf der Arbeit. Wir identifizieren uns damit, schöpfen daraus die Werte, welche unsere Leben ausmachen. Sie entscheiden über gesellschaftliche Beteiligung, über Perspektiven, der Möglichkeit einen Kredit zu bekommen um sich Träume zu verwirklichen, oder einfach nur zur Arbeit zu kommen. Da ist es nur ganz natürlich sich zusammen zu tun und dafür zu kämpfen, gerecht beteiligt zu werden an den Gewinnen, die ein Unternehmen erwirtschaftet. Für die Anerkennung und Förderungen der eigenen Fähigkeiten. Um nicht irgendwann ersetzt und abgeschafft zu werden. Sondern durch Wissen und Erfahrung, als ein Teil des Ganzen, den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Fähigkeiten eines Landes zu sichern.

    Ich glaube das Gewerkschaften einen wichtigen Teil in unserer Gesellschaft einnehmen. Sie bringen viele unter einem Schirm zusammen und schaffen was dem einzelnen verwehrt bleibt. Sie sind nicht perfekt, wie alles im Leben. Aber sie versprechen Halt, beraten, bilden aus, organisieren und gestalten, lenken Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen und Lebensbereiche. Das sollte man bedenken, während man sich mal wieder aufregt, weil gerade hier oder da wieder Menschen mit Trillerpfeifen und Bannern durch die Stadt laufen.

  • Daniel Fazit | Unkrainekrieg – Lieferung schwerer Waffen sinnvoll?

    Nun zu meinem Fazit zu Alex und Holger’s Artikeln.

    Als ich dieses Thema vorschlug wählte ich Holger ganz bewusst für den Pro Part, weil ich glaube irgendwo mal gelesen zu haben dass er mal bei der Bundeswehr war. Ich traute ihm eine ausgewogene Meinung zu dem Thema zu und bekam sie auch.

    Was wiederum Alex betrifft, dachte ich mir fast dass er gegen die Lieferung schwerer Waffen sei, ich wollte aber lesen warum und was er stattdessen vorschlägt. Er hat geliefert, jetzt gilt es beide Meinungen gegeneinander aufzuwiegen.

    Vergleiche ich die Artikel der beiden miteinander, muss ich ehrlich sagen dass Holger’s Meinung mich mehr überzeugt. Ich bin genauso wie Alex Pazifist und lehne Gewalt in jeder Form ab. Allerdings tun das andere nicht, im Gegenteil. Sie leben davon, sie wollen sie, und sie suchen diejenigen die sie ihrerseits für schwach halten um sie herum zu schubsen und zu erniedrigen. Denen muss man ganz klar Grenzen aufzeigen. Ich glaube dass Gewalt immer Gewalt bleibt, sie zum Selbstschutz aber legitim ist. Wir dürfen nicht erlauben dass Großmächte glauben, sie könnten sich Land und/oder Rohstoffe einverleiben wie es ihnen beliebt, und dann auch noch damit davon kommen.

    An ein sofortiges Ende, wie Alex schreibt, glaubt wohl niemand. Allerdings haben viele versucht es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Es gab viele Gespräche, vor und hinter verschlossenen Türen. Das hat aber alles nicht genutzt, denn offensichtlich glaubte man unbehelligt zu bleiben. Das die Ukraine sich Hilfe sucht um sich gegen eine Invasion zu wehren ist nur legitim und setzt genau das erhoffte Zeichen: Bis hierhin und nicht weiter. Ihr habt eine Grenze überschritten und müsst nun alle Konsequenzen tragen, und seien sie noch so blutig. Wir haben diesen Konflikt nicht gewollt, erwartet nicht dass wir uns kampflos ergeben.

    Es wäre schön wieder Menschen an Tischen zu sehen, Verhandlungsmasse gab es einst genug. Inzwischen ist zu viel passiert als das man noch davon sprechen könnte der gegnerischen Seite einen gesichtswahrenden Rückzug zu gewähren. Die Folgen wären fatal, für Russland. Isoliert und in die Ecke gedrängt braucht es nur den nächsten Hardliner und wieder rollen Panzer über Grenzen. Man muss Verträge schließen die eine friedliche Zukunft für beide Seiten gewährleisten, Russland muss für die entstandenen Schäden aufkommen und die Ukraine muss zulassen dass die Menschen tatsächlich, durch neutrale Beobachter gewährleistet, frei wählen können ob ihre Heimat ein Teil von Russland werden soll oder nicht. Wenn es soweit kommt, auf demokratische Weise entschieden, ist nichts dagegen zu sagen, den Donbass an Russland anzugliedern. Wenn nicht, eben nicht. Es kann Verträge geben, Garantien, dass man sich niemals mehr angreifen, kooperieren wird. Das wird nicht allen gefallen, aber es wir kein Blut mehr fließen. Es braucht lediglich den Willen, die eigene Stärke haben beide Seiten bereits bewiesen.

    Die Welt ist tatsächlich nachhaltig verändert, auch wenn nicht zum Guten. Wir erleben eine Kraftprobe zwischen den Demokratien und Autokratien dieser Welt, wobei keine Seite gedenkt zu verlieren. Also wird mehr und mehr Geld fließen, mehr und mehr Technik geliefert um möglichst effizient zu töten und auf dem Schlachtfeld die Oberhand zu gewinnen. Da bin ich wieder bei Alex, man könnte tatsächlich von Kriegstreiberei sprechen. Folgen wir einem kurzen Moment der russischen Argumentation, die besagt dass die westliche Unterstützung den Krieg nur verlängert und das Leid maximiert. Was wäre wenn all das nicht geschehen, man die Ukraine nicht unterstützen würde?

    Es wären viele Menschen sicher noch am Leben. Das Massaker von Butscha, genauso wie anderswo, hätte es vielleicht nie gegeben, genauso wenig wie die praktisch vollkommene Zerstörung von Soledar. Es hätte keinen Flüchtlingsstrom gegeben, Kinder würden nicht in Luftschutzbunkern aufwachsen. Aber die Menschen wären auch nicht mehr frei. Nicht frei in ihrem Wille sich am Westen zu orientieren, nicht frei die eigene Meinung laut auszusprechen, nicht frei ihren alten Pass zu behalten, nicht frei in der Wahl ihres Präsidenten.

    Es ist schrecklich und grauenvoll leichte und schwere Waffen zu liefern, es hat immer Konsequenzen und leider gibt es auch Menschen und Unternehmen die davon mehr als profitieren. Wir geben der Ukraine damit aber auch die Möglichkeit sich zu wehren, ein souveräner Staat zu bleiben und allen Machthungrigen dieser Welt zu zeigen: Bis hierhin und nicht weiter!

    Wenn dieser Konflikt irgendwann zu Ende ist und wir noch leben, wenn die Menschen ihre Städte an anderer Stelle wieder neu errichten und ihre Kinder groß ziehen, an diesem Tag wird ein anderer kommen und uns um unsere Hilfe bitten. Er wird vielleicht kein Verbündeter sein, keine Bodenschätze haben, keinen strategisch wichtigen Standpunkt bedeuten, von niemandem angegriffen werden den wir alleine aus geschichtlicher Sicht nicht mögen. Er wird einfach nur nicht sterben wollen.

    Werden wir ihm helfen?

     

    Ich habe auf hosentaschenblog.org einen weiteren Artikel zu dem Thema geschrieben und das Thema noch aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet. Über Rückmeldungen freue ich mich wie immer.

     

  • Neues Thema: Ukrainekrieg | Lieferung schwerer Waffen sinnvoll?

    Ging es vor ein paar Tagen noch darum dass Deutschland der Bitte nachkommen und schwere Waffen in Form von Leopard Panzern in die Ukraine liefern soll, ist es nun Fakt: Deutschland liefert.

    Dieses Thema bewegt viele Menschen, es gibt wie immer mindestens zwei Seiten und auch uns drei Halbweisen lässt das Thema nicht kalt. Aus dem Grund haben wir beschlossen das Thema in Form des neuen Konzepts mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Veröffentlicht wird am 04. Februar 29.Januar 2023, wobei Alex den Kontra und Holger den Pro-Part übernehmen wird. Es ist also noch etwas Zeit, was uns in diesem Fall sicher in die Karten spielt da wir bis dahin vieles neues wissen und vielleicht auch ein Stück schlauer sein werden.

    Ich werde dann innerhalb weniger Tage mein Fazit zu den Meinungen der beiden liefern.

    Wenn ihr eigene Meinungen habt und die mit einbringen wollt ist es sicher nicht verboten wenn ihr diese dem jeweiligen Autor, oder auch beiden mitteilt.

  • Daniel | Staatliche Subventionen – braucht es hier eine Reform?

    Ich denke die Frage ob Staatliche Subventionen eine Reform brauchen stellt sich gar nicht, man kann im Grunde nur mit Ja antworten. Nichts was der Staat beschließt ist in Stein gemeiselt. Beschlüsse müssen sich den Bedürfnissen einer Gesellschaft die sich im ständigen Wandel befindet anpassen, weshalb sie selbst ständig geprüft und angepasst werden müssen.

    Was der Staat unter seiner Subventionspolitik versteht hat das Bundesministerium für Finanzen in ihrem Artikel Grundlagen der Subventionspolitik dargelegt.

    Betrachtet man nun den Bericht des iwd, welcher sich mit dem 28. Subventionsbericht befasst, wird klar in welche Bereiche besonders viel Geld fließt. Ganz an der Spitze befinden sich Investitionen in die Gebäudesanierung, Förderung erneuerbarer Energien oder dem Ausbau von elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Der Weg geht somit ganz klar in Richtung Klimaschutz, einem kontroversen Thema das uns alle auf die ein oder andere Weise angeht oder zumindest betrifft/in der Zukunft betreffen wird. Insgesamt sind die Finanzhilfen im Vergleich zum Jahr 2019 im Jahr 2022 um ein dreifaches gestiegen.

    Der Staat hat mit den Subventionen ein Werkzeug in der Hand mit dem er mittel- und auch langfristige Veränderungen anstoßen kann, in dem er denjenigen Kapital zur Verfügung stellt, die ohne dieses Geld Projekte aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht umsetzen würden. Privathaushalte können Gelder beantragen um Wohngebäude zu sanieren und somit eine Wertsteigerung ihrer Immobilie zu erreichen, Energie einzusparen und letztendlich Gesamtgesellschaftlich Abhängigkeiten zu minimieren. Neue Technologien wie E-Autos werden gefördert womit auch die Mittelschicht sich eins leisten kann, was letzten Endes den Absatz erhöht, Arbeitsplätze schafft und das Produkt am Ende günstiger macht.

    Unternehmen können in neue Technologien investieren um am Markt zukunftsfähig zu bleiben, Energie einsparen oder ihre Produktpalette erweitern was ihnen wiederum einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft und den Wirtschaftsstandort Deutschland stärkt. Einen weiteren Punkt der nicht unbedingt viel Beachtung findet ist der, dass es mit Subventionen möglich ist Verfahren zu bezuschussen die sonst zu teuer, an anderen Orten aber vermutlich unter weniger strengen Umweltauflagen umgesetzt würden.

    Subventionen haben somit ihre Daseinsberechtigung, insofern sie klug eingesetzt werden und auch einen wirklichen Vorteil bringen.

    Soweit das Pro, mit dem Kontra wird sich Holger gleich auseinandersetzen.

  • Daniel | Leser fragen: Silvester – Feuerwerk, Ja oder Nein?

    Es kommt darauf an. Was habt ihr denn gedacht?! Die Neujahrsfeier steht wie keine andere für Müll, globale Luftverschmutzung und Geld. Letzteres wird gerade die freuen die immer gerne sagen: „Aber dafür ist anscheinend Geld da!“ Wie immer gibt es auch eine Kehrseite, denn die Neujahresfeier steht auch auch für Zusammenkunft, Tradition und Neuanfang.

    So leicht wollen wir es uns heute nicht machen. Es reicht eben nicht über alles nur zu meckern und mit dem Finger auf andere zu zeigen, im Gegenteil. Man sollte schon mit ein paar brauchbaren Argumenten aufschlagen können und, zwangsläufig, etwas Hintergrundwissen mitbringen. Nicht umsonst heißt es zurecht so schön abwertend: „Ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung!“ Das Wissen um die Entstehung und die Bedeutung von Silvester ist der Schlüssel zu einem besseren Verständnis, riskieren wir also zunächst einen Blick in die Vergangenheit und arbeiten uns Stück für Stück in die Gegenwart vor.

    Das wir heute Silvester feiern haben wir der Umstellung vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender im Jahre 1582 zu verdanken. Damals war der letzte Tag im Jahr der 24. Dezember, durch die Umstellung fällt dieser seitdem auf den 31. Dezember, dem Todestag von Papst Silvester. Die Neujahrsfeier trägt also den Namen eines Mannes der inzwischen gute 1687 Jahre tot ist. Diese Zahl lässt erste Rückschlüsse darauf zurück, wie tief dieser Brauch in unserer Kultur verankert ist, zeigt aber auch ein weiteres Mal den Einfluss der Kirche auf unseren Werdegang.

    Die Neujahrsfeier selbst beruht auf Aberglaube. Die Menschen glaubten dass sie, wenn sie mit viel Getöse und Geschrei durch die Straßen ziehen würden, sie die bösen Geister aus dem Neuen Jahr vertreiben könnten. Im 14. Jahrhundert fanden dann die ersten Feuerwerke in Europa statt. Damals waren sie natürlich den Wohlhabenden vorbehalten, als Sinnbild für Macht und Reichtum.

    Was ich bisher noch nicht wusste, die ersten Feuerwerkskörper kamen damals über Händler aus dem arabischen Raum nach Europa. Die meisten dürften wissen, dass die Chinesen die Nutzung von Schwarzpulver vorantrieben, zunächst zu militärischen Zwecken.

    Soweit die Vergangenheit, jetzt ein Blick in die Gegenwart. Im 21. Jahrhundert beherrscht der Mensch die Kunst des Feuerwerks wie kein anderer. So werden jedes Jahr etwa 2.050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, weshalb laut Umweltbundesamt der erste Januar auch der Tag mit der höchsten
    Feinstaubbelastung im Jahr ist.

    Im Jahr 2020 waren Feuerwerke verboten. Die Krankenhäuser und das Personal sollten, durch die coronabedingte ohnehin schon hohe Belastung, geschont werden. Berechnungen zeigten dass in diesem Jahr gute 3.500 Tonnen Plastikmüll weniger angefallen waren.

    Tierbesitzer, seien es Katzen – Hunde oder Pferde, kennen es. Nervöse oder gar panische Tiere die unter Möbeln Schutz suchen oder angebunden werden müssen, um sich selbst und andere nicht zu verletzen. Was aber ist mit den Tieren die wir gar nicht so im Blick haben, die genauso wie unsere Haustiere über einen deutlich besseren Gehör- oder Geruchssinn verfügen und dadurch deutlich stärker leiden? So kann man zum Beispiel beobachten wie Wildvögel bis zu mehreren Wochen ihr Revier verlassen. Sie fliegen deutlich höher als üblich um Lärm und Stress zu entgehen. Viele von ihnen verenden, weil sie ihre Energiereserven aufbrauchen, gegen Glasflächen prallen oder sogar Verbrennungen erleiden.

    Wer von euch erinnert sich noch an Krefeld? Zur Neujahresfeier 2019/2020 brannte im Zoo ein Affenhaus ab, 50 Tiere starben. Ein Gorilla musste erschossen werden weil er so schwere Verbrennungen erlitten hatte.

    Im Grunde könnte man „Feuerwerk“ durch jeden anderen Begriff ersetzen, die Kontroverse bliebe die gleiche. Jedes Jahr regen die einen sich über den Müll, den Lärm und den Gestank auf mit dem wir global Mensch, Tier und Natur gleichermaßen belasten. Leise belächelt von solchen, denen das alles am Hintertürchen vorbeizugehen scheint und die, aus purem Trotz wie man hört, mit Absicht die ein oder andere Batterie zusätzlich einpacken. Man will sich, verständlicherweise, ja auch nicht alles nehmen lassen. Traditionen schon gar nicht, neben einem planbaren Jahresablauf versprechen sie uns auch Bestand in einer komplizierter werdenden Zeit.

    Wenn Menschen in böser Absicht Feuerwerkskörper als Waffen gegen Unbeteiligte, feiernde Menschen oder gar gegen Ordnungskräfte und Notfallsanitäter einsetzen hört der Spaß dann endgültig auf. Dabei haben die Krankenhäuser schon genug mit den jährlichen Verunfallten zu tun.

    Man sollte also meinen dies wären ausreichend gute Gründe Feuerwerke zumindest einzuschränken. Tatsächlich könnte man glauben dass der Mensch im 21. Jahrhundert es besser wüsste. Ja, es findet inzwischen ein Umdenken statt, leider aber zu langsam. Das Problem ist, die Auswirkungen sind ähnlich wie beim Klimawandel nicht, oder nur für einen bestimmten Teil der Gesellschaft greifbar. Es gibt Betroffene und Verursacher. Für die einen ist es ein Spaß, für die anderen lebensverändernd oder zumindest ein Haufen Merharbeit und vielen anderen einfach nur egal.

    Wir haben zwar die Technik, unser Handeln und die daraus resultierenden Auswirkungen zu messen und daraus Rückschlüsse auf unsere Zukunft zu ziehen. Wir wissen um die Ressourcen, wir wissen um den Klimawandel, wir wissen um die Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub.

    Es hapert aber an der Umsetzung. Und so werden auch dieses Jahr wieder viele Millionen Euros umgesetzt, Tausende Tonnen Feinstaub und Müll erzeugt werden, für ein Fest dass man mit etwas gutem Wille auch nachhaltiger gestalten könnte.

    Die Tradition, böse Geister mit Lärm zu vertreiben und gut in neues Jahr zu starten, ist so zumindest in Teilen selbst zu einem großem Übel geworden. Aus diesem Grund bin ich gegen private Feuerwerke, aber für ausgelassenes Feiern, verbunden mit dem Wunsch auf ein gutes neues Jahr.