Von Gesetzen, Regeln und gefährlichem Halbwissen

Holger hat sich neulich schon mal in seinem Blog darüber aufgeregt. Es geht um das Thema Gesetzestreue. Also ich seinen Beitrag gelesen hatte, fluchte ich kurz. Ich fand, es wäre ein Thema für halbweise.de gewesen. Ich finde aber, dass Thema gehört doch einfach mal gründlich beleuchtet.

Der durchschnittliche Deutsche glaubt an Gesetze und ist der Meinung das diese zu 100 % befolgt werden müssen. Da muss man sich schon fragen wie das denn gehen soll.

Denn wie viele Gesetze kennt man schon auswendig? Ich meine, wir alle haben die groben Regelungen der StVO gelernt. Zumindest ich, so weit wie es mir in der Schule und später für die Fahrerlaubnis beigebracht wurde. Aber kenne ich den genauen Wortlaut? Kenne ich alle Paragrafen und die kleinen Spitzfindigkeiten und Ausnahmeregelungen? Und was ist mit dem BGB oder dem STGB? Haben die meisten Deutschen Ihr Wissen über Recht und Unrecht nicht eher aus amerikanischen TV-Serien und denken, dass die auch hier in Deutschland gültig sind? Und das Wissen über die Regelungen der DSGVO (die übrigens kein Gesetz ist) wissen die meisten Leute nur das Sie ständig Banner wegklicken und bei jeder Gelegenheit größer Berge an Zettel unterschreiben müssen. Und alle anwesenden die Augen rollen und stöhnen … ach der Datenschutz. Und wenn das mit den Gesetzen so eindeutig ist, warum braucht es dann Anwälte und Richter?

Fakt ist, wir können uns nicht an alle Regeln halten, die für uns Gelten. Es sind zu viele Regeln und wir wissen zu wenig. Wir haben einen inneren Moralkodex der geprägt ist aus der Erfahrung und der Beobachtung. Und der bringt uns ganz gut durchs Leben. Denn wir wissen Grob was falsch und richtig ist und loten aus wie weit wir gehen können. Haben wir ja schon als kleines Kind gelernt. Und dann passt das schon. Und an der Stelle wo wir wissentlich Regeln brechen, da müssen wir eben mit den Konsequenzen leben, falls wir erwischt werden.

Aber wozu gibt es denn die tausende Gesetze? Und warum sind die noch nicht eindeutig genug, so das es Richter gibt, die diese interpretieren müssen und dann am Ende recht sprechen? Also bestimmen was richtig ist?

Weil wir Menschen so unterschiedlich sind, weil wir uns ständig im Wandel befinden und weil es in jeder Situation viele Faktoren gibt, die einen Einfluss darauf haben was richtig ist.

Bespiel? Klar … kein Ding:

Da steht nen Typ pfeifend auf einem Lidl-Parkplatz. Es ist Pandemie und das Land Niedersachsen hat Maskenpflicht auf allen öffentlichen Parkplätzen angeordnet. Der Typ hat keine Maske auf. Faktisch verstößt er also gegen eine Anordnung des Landes und könnte daher mit einer Ordnungswidrigkeit belangt werden.

Würde er dagegen Einspruch einlegen, müsste ein Richter prüfen was denn da los gewesen ist. Er müsste sich anschauen zu welchem Zweck die Anordnung erlassen worden ist, nämlich der Schutz der Mitmenschen vor dem Virus. Er müsste prüfen, ob die Mitmenschen in Gefahr waren. Konnten Sie dem Typen problemlos aus dem Weg gehen, gab es die Gefahr das die Aerosole auf den nächst besten Überspringen? Und was wäre gewesen, wenn der Typ drei Schritte nach vorne gegangen wäre und im nächsten Blumenbeet gestanden hätte? Vermutlich würde das Verfahren aus mangelnder Verhältnismäßigkeit eingestellt.

Aber wer von uns hat schon Bock ständig vor einem Richter zu stehen und für sein Recht zu kämpfen und ggf. auch noch kosten zu haben. Also schauen wir das wir nicht negativ auffallen und tragen Artig unsere Maske.

Jetzt hab ich ein wenig den Faden verloren.

Also es ist kompliziert. Und Menschen die einfach gestrickt sind, machen es sich dann auch einfach und behaupten das Dinge nur Schwarz oder Weiß sind. Vielleicht aus Neid darüber das andere Menschen differenzierter Denken können und wollen.

Und DAS ist ein wirklich riesen Problem. Der Wunsch der Menschen nach einfachen Lösungen und nach einer unkomplizierten Welt sorgt dafür das, unsere Welt viel komplizierter ist als notwendig. Aber das ist ein anderes Thema und soll in einem anderen Beitrag besprochen werden.

Also … wenn Ihr das Gefühl habt, das Ihr eine Regel brecht, dann fragt euch:

Wer soll wo vor beschützt werden?

  • Was soll die Regel bewirken?
  • Wem würde es Schaden wenn ich die Regel breche?
  • Findet dieser Schaden zum Zeitpunkt des Regelbrechens wirklich statt?
  • Gibt es Alternativen und kann ich mit den Konsequenzen leben.

Und auf dieser Basis könnt Ihr zum Beispiel durchaus entscheiden, eure ganze Familie zu einem großen Osterfest einzuladen.

Kleiner Tipp zum Schluss: Macht mal die Labber-Dumfug-Podcast aus und hört euch stattdessen die Rechtsbelehrung an, denn Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.

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